Guten Morgen allerseits!

Autorenarchiv

Ein Australier und sechs Alcopos

Die ver­tra­gen halt nix, die Aussis:

Guten Morgen

Morgenkaffee

Es sollte einen nicht ver­wun­dern, tut es aber doch. Im Nachk­lapp zum Anschlag auf Char­lie Hebdo wird an vie­len Stellen die Gele­gen­heit genutzt, ihn zur Bagatel­lisierung von Pediga und als Abseg­nung von Islam-Kritik zu benutzen. Stel­lvertre­tend tut dies auch Had­mut Danisch. So ein Ver­hal­ten ist schlicht ärg­er­lich, und um den Punkt nochmal klar zu machen, wieder­hole ich mal, was ich dort eben hin­ter­lassen habe:

Pegida allein damit zu charak­ter­isieren, die Bewe­gung “kri­tisiert den Islam” ist meines Eracht­ens grob ver­fehlt. Das ist doch kein Son­nta­gnach­mit­tags­de­bat­tier­club. Pediga hetzt. Pediga spricht die Äng­ste von Men­schen an, die auf Grund eines Man­gels anfäl­lig sind für Argu­mente wie “Die wollen uns an den Kra­gen”. Es geht nicht um eine sach­liche Annäherung, es geht nicht um Auseinan­der­set­zung. Es geht um den tum­ben Ver­nich­tungswillen dessen, wovon man glaubt, es sei Ursprung eigener Angst, in diesem Fall: Das, was mich und die Meini­gen ver­nichten will. Wie der Einzelne da instru­men­tal­isiert wird, wie aufgewiegelt wird, ent­geht den Meis­ten. Es ist schlicht ein­fältig, Pediga auf dem Rücken des Anschlags gegen Char­lie Hebdo zu bagatellisieren.

Und das Prinzip, alles über einen Kamm zu scheren, sollte man vielle­icht auch mal kri­tisch sehen. Es besteht ein Unter­schied darin, ob ich mit den Mit­teln der Karikatur öffentliches Ver­hal­ten kri­tisiere oder ob ich unter dem Deck­man­tel von Mei­n­ungs­frei­heit hetze.

Hierzu passend: Sab­rina Gais­bauer erk­lärt, wie man Men­schen mit kollek­tiver Angst für Kam­pag­nen gewinnt .

Lars Reineke wird beim Tagesspiegel missver­standen, bloggt darüber und der Tagesspiegel reagiert darauf. Schön zu sehen, dass es solche Reak­tio­nen bei Zeitun­gen gibt. Es ging darum, dass Christo­pher Lauer eine Beratungstätigkeit für den Axel-Springer-Konzern wahrn­immt. Muss ja jeder sel­ber wis­sen, an wen er sich verkauft.

Und während ich mir die Frage stelle: Darf man eigentlich mal auf eine intel­li­gente poli­tis­che Kam­pagne hof­fen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Lesezeichen vom 7. Januar 2015

Knöllchen

So, mal wieder die Blogroll aus­gemis­tet. Ergeb­nis nach etwas mehr als einem Jahr: 3 Abgänge, davon ein Kick, zwei Zugänge, zwei Linkän­derun­gen. Schön zu sehen, dass viele dem Bloggen treu bleiben.

Großstadttiere

Hihihi”, sagte das Kugel­froschmän­nchen, “ich ver­stecke mich ein­fach hin­ter dieser Kiste, dann sieht mich keiner.”

Froschkopf

Guten Morgen

Morgenkaffee

Felix Dachsel erzählt, wie er in seiner Heimat­stadt im Erzge­bierge im Angesicht von Neon­azis aufgewach­sen ist, die meist in der Überzahl, durch­trainierter und geistig oft­mals neben der Spur waren. Was ihn derzeit aber wirk­lich ängstigt ist:

Mehr Angst als um mich habe ich, wenn ich sehe, wie sich Rechte und Men­schen aus der bürg­er­lichen Mitte ver­bün­den. Wenn ich davon lese, wie gegen Asyl­be­wer­ber demon­stri­ert wird. Da ist für mich nicht mehr der einzelne Nazi das Prob­lem, son­dern Teile der Gesellschaft. Dage­gen kann man sich mit Pfef­fer­spray nicht wehren.

Das ist wohl mit Blick auf Dres­den geschrieben wor­den, in Düs­sel­dorf ist Pegida ja eher ein klas­sis­cher Rohrkrepierer. Im Ver­hält­nis betra­chtet waren bei der Demo gegen das Rauchver­bot in Kneipen deut­lich mehr Teil­nehmer — und das waren vielle­icht Nulpen. Von den vie­len Demos, die unter dem öffentlichen Radar herziehen, mal ganz abgesehen.

Bei der Krim­i­nalakte bespricht man Liebe ist das per­fekte Ver­brechen, die Ver­fil­mung von Philippe Djians Die Rast­losen, schreibt lei­der nur nicht, wie man das alles fand.

Und während ich mir die Frage stelle: Wie lange dauert es wohl noch, dass man sich medial an Demos gewöhnt? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Lesezeichen vom 6. Januar 2015

Lesezeichen von heute
Tütengrünkohlpfanne

Als lei­den­schaftlicher Koch kenne ich natür­lich die guten Tüten­pro­dukte vom Dis­counter um die Ecke, denn man hat ja nicht immer Zeit, stun­den­lang in der Küche zu ste­hen, um in den leeren Kühlschrank zu gucken. Und so grin­ste mich eines Tages mal eine Tüte Grühnkohlp­fanne im Super­mark­tkühlre­gal an. Und wie wir alle wis­sen ist Grühnkohl die Leib-und-Magenspeise des West­falen. Also nix wie rin in den Einkauf­swa­gen für schlechte Zeiten.

Als West­falem ist Grünkohl ja fast schon iden­titätss­tif­tend, da weiß man genau, wie das schmecken soll und wann. Es ist ein Win­terg­ericht und muss herb schmecken, mit ordentlich Kartof­feln dabei, Rauch­fleisch und Senf, damit der Verkoster das gesamte Pro­dukt geschmack­lich in eine eigens passende Geschmack­srich­tung führen kann.

Dieses Tiefkühlgericht möchte es mir also abnehmen, die sim­plen Zutaten für’s klas­sis­che Grünkohlgericht, Kartof­feln und Fleisch, was sich in dieser Ver­sion als Met­twurst­stückchen dar­legt, extra zu besor­gen. Hinzu kom­men bei dieser Tüte Zitro­nen­säure, mod­i­fizierte Mais­stärke. Senf ist schon mit drin. Zwiebeln auch. Wozu das denn?

Irgend­wann kommt dann der Tag, an dem einem nicht ein­fällt, was man ger­ade kochen möchte, oder keine Zeit für’s Kochen findet, und man ist froh, dass man noch einen Vorschlag im Kühlschrank hat. Also raus mit der Tüte und los geht’s:

Den gesamten tiefge­frohre­nen Beutelin­halt mit 4–5 EL Wasser in einer Pfanne mit Deckel geben und auf hoher Stufe 3–4 Minuten erhitzen, danach durch­garen lassen, bis sich die Grühnkohlpucks kom­plett aufgelöst haben.

Die wer? Ah, okay:

gruenkohlpucks

Vielle­icht kann man damit kurzfristig Öko-Eishockey spie­len. Essen muss man das Ganze jeden­falls nicht unbe­d­ingt, wie der Geschmack­stest zeigt: Das gesamte Gericht ist darauf aus­gelegt, möglichst nicht herb zu schmecken. Dazu tra­gen Zucker und Zwiebeln mit bei. Kartof­feln und Met­twurst­stückchen sind so kleingeschnibbelt, dass sie ger­ade noch so wahrgenom­men wer­den kön­nen. Wozu das Ganze schon mit Senf abgeschmeckt wor­den ist, bleibt mir ein Rät­sel. Der oblig­a­torische Klacks Extrasenf har­moniert dann auch nur bed­ingt mit dem Gericht, da sich beim Grünkohl erst nach aus­giebigem Kaufen eine herbe Note zeigt.

Man bekommt mit diesem Gericht eine warme Mahlzeit vorge­setzt, wofür man sich aber wohl nur beim Herd bedanken sollte. Es ist nicht wirk­lich schlecht, aber auch nicht ein­prä­gend gut. Nach dem Verzehr ver­steht man zumin­d­est jene, die Grünkohlgerichten nichts abgewin­nen kön­nen. Wer geschmack­vollen Grünkohl aufgetis­cht sehen möchte, der muss anders an die Sache herangehen.

Guten Morgen

Morgenkaffee

Die Blödzeitung, die Ende ver­gan­genen Jahres noch beherzrt ins Horn der Abend­lan­dun­terge­herse­her geblasen hat, sam­melt heute Stim­men gegen Pegida. Wie schizo muss man eigentlich sein, um für dieses Drecks­blatt zu schreiben?

Wovor wohl auch Pegi­das­ten Angst hät­ten: In Frankre­ich zeigt man sich angeschla­gen, ob des neuen Romans von Michel Houelle­becq über einen mus­lim­is­chen Präsi­dent im Nach­bar­land. Eigentlich schon wieder Grund genug, ihn zu lesen.

Felix Schwen­zel ver­linkt Marc Wick­els Analyse der Krautre­porter und ver­misst selbst die Rosi­nen. Ich für meinen Teil sehe ein­fach kein For­mat, aus dem sich was Beson­deres entwick­eln würde. Der Ver­gle­ich mit dem nieder­ländis­chen Orig­i­nal hinkt immer mehr.

Und während ich mir die Frage stelle: Kön­nen die Deutschen noch Jour­nal­is­mus? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Lesezeichen vom 5. Januar 2015

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Vor 5 Jahren