Linktipp: sofaschmöker.de.

Wie ist das eigentlich… heute mit Eigenständigkeit?

Für ein poli­tis­ches Wahlrecht ist bei Kant die wirtschaftliche Unab­hängigkeit entschei­dend: Wer dem­nach finanziell unter der Fuch­tel eines anderen steht, darf nicht wählen, weil seine Stimme nicht mehr als unab­hängig gew­ertet wer­den kann. Das wird heute anders gese­hen, aber ich finde irgend­wie, dass es auch bei vie­len für das eigene Selb­st­wert­ge­fühl wichtig ist, ob man der­art eigen­ständig ist oder nicht.

Gestern traf ich einen Schaus­pieler, mit dem ich, während im Hin­ter­grund das Dschun­gel­camp lief, über die Welt der Schaus­piel­erei, wie Schaus­pieler auf Nichtschaus­pieler wirken und was dieser Job für die sie Betreiben­den bedeutet, schwadronierte. Ein­er­seits hält man von außen ja schon GZSZ-Darsteller für kleine Stars, bei denen ander­er­seits schon wieder irri­tiert, dass sie mitunter nur an die 2000€ brutto monatlich ver­di­enen. Der Schaus­pieler legte übri­gens Wert auf den Unter­schied zwis­chen Schaus­pieler und Darsteller (bei GZSZ agiert man so gese­hen nur als Darsteller nicht als Schauspieler).

Über diese Stars und Sternchen meinte er resümierend

Let­zten Endes unter­ste­hen die alle aber eben nur den Regeln anderer.

Na, hof­fentlich ver­leiht die Schaus­pielaus­bil­dung wenig­stens soviel Selb­stver­trauen, solche Ernüchterun­gen zu ertra­gen. Aber wieviel Eigen­ständig bleibt einem sel­ber noch, wenn man zwar finanziell gut aufgestellt und den­noch gefühlt abhängig ist?

Was ich noch sagen wollte … zu öffentlicher Pornografie

Ich lese ger­ade den Text Zen­sur vs. Anstand: Pornografie in der Bib­lio­thek von der ganz zauber­haften Jil­lian C. York, in dem die Geschichte aufge­grif­fen wird, wie in einer Bib­lio­thek in Los Ange­les sich ein Obdachloser beim Anschauen eines Pornos, sagen wir mal: einen schö­nen Tag machte. Und für die Amis war jetzt anscheinend der Umstand, dass da ein Porno in einer Öffentlichen Bib­lio­thek lief, schlim­mer als das andere.

York findet es nun irgend­wie nicht gut, dass in Bib­lio­theken Pornos laufen, was mir irgend­wie eher egal ist. Mir ist aber etwas ähn­liches passiert. Nicht wie Sie jetzt denken. Ich lief diese Woche an einer Lokalität vor­bei, in der auch das Benutzen von Com­put­ern mit Inter­net­zu­gang ange­boten wird. Im Vor­beige­hen huschte mein Blick über den Mon­i­tor einer dieser Com­puter, der ger­ade in Benutzung war. Und eben da lief, tja, also das muss eine Live-Gynäkologie-Untersuchung gewe­sen sein. Der Betra­chter machte sich zwar jetzt nicht so einen schö­nen Tag wie der Obdachlose, aber es schien immer­hin so inter­es­sant zu sein, dass man Kopfhörer dazu braucht.

Ich weiß jetzt nicht, ob ich es merk­würdi­ger finden soll, dass da jemand mit der­ar­ti­gen Vor­lieben, so intel­li­gent ist, dass er einen PC-Sitzplatz nimmt, der von im offe­nen Blick­feld einer Fuss­gänger­zone ist, oder dass es mir über­haupt merk­würdig erscheint. Rubbelk­a­bi­nen sind wohl ein­fach nicht mehr in.

Mein Freund Kant

Bei Anne Will habe ich wohl eine intellek­tuelle Diskus­sion zu Friedrich, dem Großen, ver­passt. Richard von Weizsäcker hat offen­bar die Idee, den alten Fritz als Vor­bild gel­ten zu lassen, unter Ver­weis auf seinen “Fre­und Kant” vom Tisch gewischt:

Von Kant her gese­hen ist die höch­ste Tugend die Über­win­dung der Tugen­den zugun­sten des Selb­stzwecks der Pflicht.

und eben nicht die Imi­ta­tion eines anderen. Das klingt zwar irgend­wie nach Preussis­chem Pflicht­ge­hor­sam, hat aber mit Kant, so weit ich ihn gele­sen habe, nichts zu tun: Pflicht selbst ist kein Selb­stzweck. Aber es klingt eben auch so gut, dass Patrick Bah­n­ers den Feder­hand­schuh aufn­immt und das ganze in einem Fernsehkri­tik­text ver­wurstet, in dem er dann wiederum ver­sucht, Richard von Weizsäcker selbst als Reinkar­na­tion von Friedrich, dem Großen, darzustellen.

Es ist eben Fernse­hen oder um es mit Richard von Weizsäcker zu sagen “alles großer Blödsinn”.

Gebrochen deutsch, 23.01.2012, Düsseldorf

Gestern waren wir bei der zweiten Talkrunde von Staffan Valde­mar Holm mit Vom Ritchie (Großbri­tan­nien, Schlagzeuger (Die Toten Hosen)), Kyoko Jas­tram (Japan, Musik-Lehrerin), Fiorella Falero Ramirez de Ent­ner (Peru, Studentin/Garderobenpersonal), Iraj Farzi Kahkash (Iran, Büdchen-Inhaber) darüber, wie man in Düs­sel­dorf stran­det und wieso man es inzwis­chen mag. Das For­mat ist sowas wie ein Selb­stläufer. Man bekommt schwere wie auch lustige Geschichten über die Auf­brüche in die Fremde zu hören. Man lernt lebenslustige Men­schen ken­nen, an denen man sonst vielle­icht ein­fach nur vor­bei läuft. Dabei kommt die Frage, was an Düs­sel­dorf so toll sein soll, schon fast zu kurz, aber was will man auch sagen? Aus dem Pub­likum kam die ver­suchte Erk­lärung: “Clau­dia Schif­fer.”, woraufhin Holm meinte: “Das kann es nicht sein.”

Vielle­icht gibt es nicht solche Gründe, vielle­icht gibt es nur die gelebten Erfahrun­gen, die alle Gäste vorzuweisen haben. Denn es springt ins Auge, dass alle, die auf der Bühne sind, so höflich wie offen sind, wenn es um die Geschichten der anderen geht. Vom Ritchie erzählt, wie er mit seiner Lock­er­heit sturen Münch­ner Polizis­ten begeg­net, die seine abge­laufene Aufen­thalt­ser­laub­nis mit “Scheiße, Scheiße, Scheiße” kom­men­tieren. Fiorella Falero Ramirez de Ent­ner beschreibt, wie sie ohne irgend­wie deutsch zu kön­nen nach Deutsch­land kommt, und dort ihr erstes Date mit einem Taschen­wörter­buch bewältigt. Kyoko Jas­tram erzählt über die musikalis­che Größe Deutsch­lands, die vor Ort doch etwas anders aussieht. Und Iraj Farzi Kahkash berichtet darüber, wie er im Iran die Rev­o­lu­tions­be­stre­bun­gen unter­stützt hat, Krieg miter­lebt hat und schließlich in die DDR kommt, und eines Tages von einen Schleuser in West-Berlin aus­ge­setzt wird — ohne die Sprache zu kön­nen oder irgend­je­man­den zu kennen.

Also ein ganz großar­tiges For­mat, das Holm da aus dem Ärmel geschüt­telt hat, und bei dem an diesem Abend auffiel, dass weder der Begriff “Die Toten Hosen”, noch der Begriff “Inte­gra­tion” ein einziges Mal gefallen ist. Wenn er es jetzt noch schafft, dem Düs­sel­dor­fer Pub­likum das Klatschen beizubrin­gen, ist ihm ein Denkmal sicher.

Die Facebookisierung der Gesellschaft

Neulich sprach ich mit einer Mut­ter. Sie sagte, sie habe eigentlich noch einen guten Draht zu ihrer Tochter. Aber es gäbe da Sachen, die ver­stünde sie nicht.

Let­ztens habe ihre Tochter Geburt­stag gehabt. Da habe sie alle paar Minuten ihr Handy raus­ge­holt, etwas drauf rumgewis­cht und wieder eingesteckt. Den ganzen Tag lang. Wieso? Es kamen dauernd Glück­wün­sche über Face­book rein. Kein Anruf, aber 27 Einzelkom­mentare auf ihrem Pro­fil. Sie fand das gut. Abends traf sie sich mit ihren Fre­undin­nen zum Raclette-Essen. Da hat­ten von 9 Mäd­chen 7 dauernd ihr Handy in der Hand und kom­mu­nizierten — mit jew­eils anderen Mäd­chen am Tisch.

Vielle­icht wird der Nicht­nerd ger­ade der Aus­nah­me­fall. Der­jenige, der sich von Tech­nik vere­in­nehmen lässt, hier­für ein­er­seits tech­nisch gut ori­en­tiert ist, dafür im zwis­chen­men­schlichen Ver­hal­ten gehemmt, zurück­hal­tend, unsicher und unzugänglich.

Ver­gan­ge­nes Woch­enende traf ich auf einer Party eine junge Frau, die sich stark über ihre Schwägerin echauffierte. Alle Infor­ma­tio­nen über die Fam­i­lie, Verabre­dun­gen, kleinere Neuigkeiten und so würde näm­lich größ­ten­teils inzwis­chen über Face­book laufen. Und die Schwägerin sei nicht bei Face­book angemeldet. Diese könne ja nun nicht erwarten, dass man sie anruft, um ihr die Neuigkeiten, die es auf Face­book zu lesen gibt, extra mitzuteilen.

Das, was eine Mehrheit macht, ist nor­mal, auch wenn die Mehrheit plöt­zlich das Gegen­teil von dem macht, was sie früher gemacht hat. Und plöt­zlich etwas nor­mal, was der Sache nach völ­lig bek­nackt ist.

Wie ist das eigentlich mit… Medienglaubwürdigkeit?

Glaub­würdigkeit ist der zen­trale Begriff, über den der amtierende Bun­de­spräsi­dent ger­ade stolpern kann. Dabei ist es gar nicht wichtig, ob er konkret einen Fehler gemacht hat, son­dern es geht darum, ob man ihm glaubt, was er getan hat. Das ist etwas zwieschneidig.

Pos­i­tiv aus­ge­drückt, geht es darum, ob der Präsi­dent lügt. Als Tüpfelchen über diesem i spekuliert die Presse darüber, ob er die Presse­frei­heit mis­sachtet hätte. Auch hier geht es darum, dass man darauf pocht, jemand sollte in jeder Sit­u­a­tion eine völ­lig offene Aufrichtigkeit an den Tag legen.

Mir ist es als Schüler mal passiert, dass ein Lehrer fragt, ob ich meine Hausauf­gaben hätte. Ich sagte, ich wüsste es nicht und wolle erst mal die betr­e­f­fenden im Übung­sheft auszufül­len­den Auf­gaben anse­hen. Ich hatte sie nicht erledigt und bekam einen Extratadel für einen Täuschungsver­such. Man sollte als Schüler wohl für einen ange­blich erweck­ten Ein­druck ohne realen Hin­ter­grund haften.

Und so wird auch Bun­de­spräsi­dent Wulff ger­ade auf die Schippe genom­men: Jede unklare For­mulierung wird als Tadel der Glaub­würdigkeit genom­men. Wulffs Aufk­lärungsar­beit ist tat­säch­lich so, dass man eine schnellere und genauere Dar­legung der Angele­gen­heiten wün­schenswert gewe­sen ist.

Aber stellt man an das Amt der höch­sten Repräsen­ta­tion des Staates wirk­lich den Anspruch, dass jede Frage ohne Abwä­gung der Fol­gen der Antwort jed­erzeit ohne Umschweife beant­wortet wer­den soll? Finden wir es unangemessen, wenn die Per­son, die dieses Amt ver­sucht auszufüllen, zöger­lich ist, wenn die Blödzeitung eine Kam­pagne startet, für dass sich andere renomierte Zeitun­gen bere­itwillig instru­men­tal­isieren lassen? Oder um es mit Hape Ker­kel­ing zu fra­gen: Darf ein Präsi­dent auch mal sauer sein?

Unab­hängig davon, was in der Kred­itaffäre let­zten Endes rauskommt, ist die Meth­ode der Presse, unaus­ge­gorene Speku­la­tio­nen als Grund­lage für Speku­la­tio­nen über Glaub­würdigkeit, die man durch frag­würdige Umfra­gen ein­holt, zu ver­wen­den, das eigentliche Skan­dalon dieser Tage. Es kommt ihnen doch eh nur darauf an, wie lange ein der­ar­tiges Thema in der Presse ist.

Selbst ges­tandene Zeitun­gen unter­schei­den kaum noch zwis­chen Gerüchten in dieser Angele­gen­heit, völ­lig harm­loser Begleit­musik, hand­festen Vor­wür­fen und klär­baren Fra­gen. Die Rolle der Medien wird dabei ger­adezu aus­geklam­mert, als ob sie tat­säch­lich, wie oft­mals gefordert, keine Rolle spielte. Es wird immer weit­ergestochert bis das Stochern die eigentliche Mel­dung ist. Die Glaub­würdigkeit des Bun­de­spräsi­den­ten hängt von der dieses Amt inne haben­den Per­son ab, nicht vom Amt selbst.

Die Glaub­würdigkeit der Medien hängt davon ab, inwiefern sie in der Lage sind, ein Thema fachkundig zu analysieren. Eine Zeitung, die diese Glaub­würdigkeit nicht mehr besitzt, wird auch nicht mehr gekauft. Wieso auch.

Wie die Medien Christian Wulff absägen wollen

Vielle­icht hat es die soge­nan­nten Qual­itätsme­dien gewurmt, dass gen Jahres­rück­blick der Rück­tritt Gut­ten­bergs dem Inter­net angekrei­det wird und die tra­di­tionellen Medien dies nur kom­men­tieren durften. Bezüglich der Kred­itaffäre von Chris­t­ian Wulff sind die Blog­ger etc. deut­lich ruhiger. Mit Recht. Denn Chris­t­ian Wulff hat schlicht recht, wenn er meint, nicht gegen das Min­is­terge­setz des Lan­des Nieder­sach­sen ver­stoßen zu haben. Und dies ist nicht bloß juridisch so.

Dies scheint aber nicht all zu leicht einge­se­hen zu wer­den, weder bei tra­di­tionellen Medien noch bei der Politik:

Und so ein Satz von einer Juristin aus Osnabrück. Vielle­icht stützt sich diese Aus­sage auf Hans Her­bert von Arnim, der in der taz meinte, Wulff habe gegen das soge­nan­nte Min­is­terge­setz Nieder­sach­sen ver­stoßen, dass Dar­lehen, die in Bezug auf ein Amt eines Land­tagsab­ge­ord­neten ste­hen, ver­bi­etet. Für Arnim ist der Bezug auf ein Amt durch die Begleitun­gen des Kred­it­ge­bers auf Reisen Wulffs gegeben. Dabei darf sich ein Min­is­ter­präsi­dent beraten lassen, von wem er will.

Wulff und sein Kred­it­ge­ber ken­nen sich schon seit vor seiner Zeit als Land­tagsab­ge­ord­neter. Es besteht dem­nach keine Vorteil­snahme durch sein Amt als Min­is­ter­präsi­dent. Es besteht auch keine geschäftsmäßige Beziehung, da der Krediet nichts mit Wulffs Beruf als Recht­san­walt zu tun hat und auch der Kred­it­ge­ber nicht haupt­beru­flich Kred­ite vergibt. Und somit ist die Sach­lage ein­deutig: Es gibt keinen juris­tis­chen Verstoß.

Wollen die tra­di­tionellen Medien nun ern­sthaft aus dem nicht-juristischen einen moralis­chen Ver­stoß machen, indem sie behaupten, ein Poli­tiker dürfe sich pri­vat kein Geld von Fre­un­den leihen?

Wieso die taz darauf kommt, Wulffs Haus sei <a href=“https://www.taz.de/Christian-Wulffs-Haus/%2183985/?google_editors_picks=tr%3Ca%20href=” http:=”” www.spiegel.de=”” poli­tik=”” deutsch­land=”” 0,1518,803517,00.html”=””>dubios finanziert, wieso der SPIEGEL meint, Wulff habe moralisch Kredit ver­spielt, wieso Herib­ert Prantl glaubt, das Kred­itver­hal­ten Wulffs sei falsch gewe­sen — das alles bleibt unklar und wirft die Frage auf, ob die tra­di­tionellen Medien nichts besseres zu tun haben, als dieses Blabla zu skandalisieren.

Der ganz normale Antisemitismus auf Facebook

Ich habe mich 2010 schon mal über den auf Face­book grassieren­den Anti­semitismus gewun­dert. Nun habe ich noch mal nachgeschaut, geän­dert hat sich nichts:

Lazar Gavrilovic’ Bemerkung Fickt euch, ihr Juden ist wohl stin­knor­maler Slang. Golaku­lus Alexan­der Jürgen-Peter Weber kopiert ein­fach irgendwelchen Youtube-Antisemitismus in sein Pro­fil. Safak Uyar reicht ein Ver­schwörungs­the­o­rieviedo zum 11. Sep­tem­ber 2001 für ein scheiss juden. Ein Nutzer namens Ahmed El-king hin­ter­lässt das Gedicht Advent, Advent, ein Jude brennt. Raghda Abdel All gefällt das. Ein Nutzer namens Burhan La Familia meint:

Ich bin Türke , und ver­fluche das Juden­tum auch !
Der Holo­caust wurde von juden gefälscht damit der zion­is­tis­che ter­rorstaat israel geboren wer­den kann !!

Der House­meis­ter Tobi meint zur Nieder­lage des VfB Stuttgart gegen Bay­ern München:

Scheiss pack ey…ohne schiri hat­tet ihr keine chance…zigeuner…verfluchtes bay­ern pack auch juden genannt…tot und hass dem fcb

Nick Zemke sagt

geht alle in den arsch ihr juden

Mar­tin Vogel meint man solle Juden statt Tiere aufhän­gen.

Tom Petersen warnt

diese juden kind wenn ich dich in die fin­ger bekomme den ist mal lachen ange­sagt ob du den noch mal wieder lachen kannst wenn ich mit dir fer­tig bin

Kevin Wiese ist ent­lassen wor­den und reagiert so

ein­fach alles kaputtschlagen.…..scheiss juden RIW.

In anderen Net­zw­erken geht man gegen sowas vor, nicht bei Facebook.

Giovanni di Lorenzos Altherrengespräche

Erst hat er ein Interview-Buch mit Hel­mut Schmidt veröf­fentlicht, nun kommt eins mit Ex-Bundesverteidigungsminister Gut­ten­berg: Gio­vanni di Lorenzo etabliert sich als erste Adresse für Poli­tik­erge­spräche auf Homestory-Niveau. Man weiß gar nicht, ob man das gut oder schlecht finden sollte.

In der aktuellen Aus­gabe der ZEIT findet sich ein dur­chaus imposantes mehr­seit­iges Inter­view di Loren­zos mit Gut­ten­berg [Zusam­men­fas­sung]. Es soll den Ex-Minister reha­bil­i­tieren, so lange noch etwas von seinem ein­sti­gen medi­alen Schein auf ihn fallen kann. Das kann man zumin­d­est dem Inter­viewten ankrei­den. Beim Inter­viewer sieht das allerd­ings anders aus: Schon bei seinen Anmerkun­gen zu den Schmidt-Interviews hob er immer wieder her­aus, was für ein Stil der ganzen Laberei innewohnte: Wie Hel­mut Schmidt durchs Haus kommt, wie er raucht, wie er Pausen macht. Di Loren­zos Auf­gabe bei diesen Inter­views ist nur eine: Die Rede unter­stützen­des Rezip­ieren. Es ist kein Stre­it­ge­spräch, kein Diskurs auf gle­icher Höhe, son­dern immer nur ein Ver­such auf die ver­meintliche Höhe zu sprin­gen. Es ist das Cof­fee & Cig­a­rettes des Feuil­leton, ein Alther­renge­spräch, dessen einzige Ambi­tion das Reflek­tier­twer­den ist. Irgend­wie ver­wun­der­lich, dass sich noch nie­mand bei der BUNTE beschw­ert hat, dass ihr Konzept so plump abgekupfert wird.

Das­selbe Strick­muster wen­det di Lorenzo bei Gut­ten­berg an: Den Pla­gia­tor reden lassen, ein paar Ein­wände, aber nicht zu viele, es soll ja kein Stre­it­ge­spräch wer­den. Di Lorenzo entwick­elt keine eigene Posi­tion, spielt zumin­d­est nicht den intellek­tuellen Gesprächs­ge­gen­part, und da stellt sich eigentlich schon die Frage: Was soll das Ganze? Kann die Lorenzo nicht anders? Hat er nur sein Blatt im Auge, das nun erste Adresse für Poli­tik­er­home­sto­ries von rechts wie links ist? Das wäre ohne Frage schon ein gewisses Pfund für die ZEIT.

Aber wenn man nun ein­mal das Inter­view mit Gut­ten­berg kri­tisch beäugt, kann man eben auch fest­stellen: Gut­ten­berg alleine kann das Gespräch nicht son­der­lich inter­es­sant gestal­ten: Plumpe Behaup­tun­gen, aber auch keine ern­sthaft bemerkenswerten Pro­voka­tio­nen. Keine rheotrische Finesse, nur ein Kontern-ins-Off auf Zwis­chenbe­merkun­gen von di Lorenzo. Keine Größe, keine poli­tis­che Stel­lung­nahme, die erhel­lend ist. Lang­weilig ist das Gerede.

Das Inter­view zeigt: Gut­ten­berg strahlt nicht. Zumin­d­est nicht ohne die Schein­wer­fer der Medien. Und vielle­icht sollte man di Lorenzo für diese Darstel­lung schon wieder dankbar sein.
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Eine Inter­viewan­frage des Deutsch­landra­dios über die Rolle der ZEIT beim Relaunch Gut­ten­bergs lehnte di Lorenzo nach Angaben des Deutsch­landra­dios ab. || Ulrich Horn sieht die Sache ähn­lich.

Kristina Schröders alberne Extremismusklausel

CDU und CSU muss man wohl noch erk­lären, was an der Extrem­is­musklausel so albern ist: Sie ist nichts weiter als ein Erpres­sungsmit­tel. Wenn ich jeman­dem nicht abnehme, dass er die Demokratie für gut hält, ändert das auch nichts durch eine Erk­lärung. Wenn eine Erk­lärung inhaltich obso­let ist, wie es Gröhe unten darstellt, dann ist sie es auch als solche. Wenn nicht, macht man einen Ver­dacht, dass diese Erk­lärung notwendig sei, sprich: einen Generalverdacht.

Des weit­eren kön­nte Kristina Schröder so langsam mal zurück­treten: Mit so einem Mit­tel Recht­sex­trem­is­mus bekämpfende Organ­i­sa­tio­nen zu belästi­gen und sich dann im Bun­destag der Aussprache ver­weigern, obwohl man twit­ternd Stel­lung nimmt, das hat kein Rückrat.

Und es ist schlicht naiv bis albern, so etwas zu sagen

um dann zu fordern, man solle das Aufrech­nen sein lassen.

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