Amazon is doing the world a favor by crushing book publishers - Vox "Publishers are getting squeezed out because... http://t.co/aAdcTizvAS

Tralafitti

Wieso eigentlich steht Pip­fax im Duden und bei der Suche nach Tralafitti kommt sowas:

tralafitti

Was nicht passt

Sam­stag, 11.03 Uhr, Klin­gelin­geling.

Ich: „Guten Tag. Haben Sie Schrauben?”

Ladenchefin „Was wären wir wohl für ein Elek­tro­laden, wenn wir keine Schrauben hätten?”

Ich „Dann bräuchte ich mal vier Achter und passende Dübel.”

Ladenchefin „Bitte, hier. Sonst noch was? Nein? Dann schö­nen Tag noch.”

Ich „Na, ich weiß nicht, ob das mein let­zter Besuch heute war.”

Ladenchefin „Wir haben noch bis 14 Uhr auf. Bis dann.“

11.40 Uhr
, Klin­gelin­geling.

Ladenchefin „Ach, Sie schon wieder.”

Ich „Ich bräuchte noch mal vier Neue von denen da:”

IMG_9708

Ladenchefin „Meine Güte, wat hamse denn damit gemacht?!”

Ich „Öhhh…

Juniorchef „Gebohrt, reingestopft und mit dem Ham­mer hin­ter­herge­hauen, dass der wohl doch noch reingeht.”

Ich „Ja, sicher.”

Ladenchefin ver­dreht die Augen.

Juniorchef „Ist ja nicht so, dass ich das noch nie gebohrt hätte.”

Vertrauen

kannitverstanIn zwei unter­schiedlichen Blogs war ger­ade die Rede von Ver­trauen: Bei Had­mut Danisch und Felix Schwen­zel. Zwei sehr unter­schiedlichen Blogs. Hart­mut Dan­ish nahm die Feder auf, dass selbst unter Krim­inellen Ver­trauen herrschen müsse, damit Sys­teme wie das der Mafia funk­tion­iere. Felix Schwen­zel schreibt darüber, dass Ver­trauen gegenüber Fir­men darüber entscheide, wie groß der Zus­pruch ihrer Kun­den sei. Was bedeutet nun eigentlich Vertrauen?

Ver­trauen ist die zwis­chen­men­schliche, nichtver­tragliche Annahme, mein Gegenüber bekenne sich einer moralis­chen Ver­ant­wor­tung´, sei daher mir gegenüber aufrichtig und wolle mir durch das, was er tut, nicht schaden. Insofern ist Mis­strauen sicher­lich das Gegen­stück zu Ver­trauen, aber Ver­trauen ist mehr als die Abwe­sen­heit von Mis­strauen, was auch lediglich Unbeküm­mertheit sein kann: Man hegt keinen Argwohn.

Im eigentlichen Kon­text bezieht sich Ver­traue auf ein soziales Ver­hält­nis zwis­chen moralis­chen Per­so­nen. Es richtet sich nicht auf juris­tis­che Personen.

Der Fehler, der im Mafia-Beispiel began­gen wird, das Danisch auf­greift, ist, dass Ver­trauen lediglich als funk­tion­ieren­des Net­zw­erk ange­se­hen wird. Die Mafia ist oft­mals ein funk­tion­ieren­des Net­zw­erk, beruht aber grundle­gend auf Mis­strauen, Angst und Geldgier. Sofern ein Teil des Net­zw­erkes die Spiel­regeln dieses Net­zw­erks kennt, weiß er, dass er nie­man­dem inner­halb des Net­zw­erkes, außer eventuell seiner genetis­chen Fam­i­lie, d.i. Per­so­nen, die in einem grun­f­sät­zlichem sozialen Ver­hält­nis ihm gegenüber ste­hen, ver­trauen sollte. Zwar kann er davon aus­ge­hen, dass es bes­timmte Funk­tion­sweisen inner­halb dieses Net­zw­erkes gibt, mit anderen Worten: Er kann darauf ver­trauen, dass bes­timmte Hand­lungsweisen von stat­ten gehen, allerd­ings ist diese Rede von Ver­trauen nur eine über­tra­gene. Kurzum: Im Kern heitß Ver­trauen inner­halb des Mafia-Beispiels: Die Mafia ist ein funk­tion­ieren­des Net­zw­erk, weil das Net­zw­erk funk­tion­iert. Rede ich davon, dass selbst die Mafia Ver­trauen brauche, ver­mis­che ich zwei Redeweisen von Ver­trauen: Die ursprünglich moralis­che und die über­tra­ge­nen, bloß technische.

Und wenn Felix Schwen­zel “das angesichts der unfass­barkeit all dieser hin­ter­fotzigkeit und unaufrichtigkeit” von Fir­men sein Pop­corn im Halse steckt, sollte ebenso berück­sichtigt wer­den, dass es schon ein Fehler war, bei Fir­men in moralis­chem Sinne von Ver­trauen auszuge­hen. Wie beim Mafia-Beispiel kann man nur davon aus­ge­hen, dass ein Net­zw­erk funk­tion­iert, wobei dieses in Rede ste­hende Net­zw­erk Nutzer offen­bar als moralis­che Per­so­nen anerken­nen sollte und nicht lediglich als tech­nis­che Bausteine. Aus bloßer Sicht der Spielthe­o­rie völ­lig unverständlich.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

Wie man aus Kant einen Antisemiten macht

zeigt der Reli­gion­sstu­dent Markus Voss-Göschel und bekommt dafür den Franz-Delitzsch-Förderpreis für christlich-jüdische Ver­ständi­gung. Dabei ist die Grund­lage seiner Behaup­tun­gen mehr als dürftig.

Zum einen ver­weist er auf das Zitat “Jetzo sind sie die Vampyre der Gesellschaft”, das allerd­ings nicht in Kants Schriften auf­taucht, soweit ich weiß, son­dern bei J.F.A. Abbeg, der es Kant zuschreibt. Streng genom­men ist es nur Hören­sagen und entzieht sich so einer ern­sthaften wis­senschaftlichen Erörterung. Für Voss-Göschel ist dies in öffentlichen Äußerun­gen der erste Beleg für Kants Anti­semitismus: Getratsche.

Der zweite Beleg ist ein Lese­fehler Voss-Göschels

Kant beze­ich­net die Juden als ‘Vampyre der Gesellschaft’ und fordert ‘die Euthanasie des Juden­tums’!”, nennt Markus Voss-Göschel zwei Beispiele für die zum Teil extremen anti­semi­tis­chen Äußerun­gen in Kants Schriften.

Kant fordert nichts der­gle­ichen. Allerd­ing meint er, ein Über­gang zur “reinen moralis­chen Reli­gion” aus dem Jugend­tum her­aus, sei die Euthanasie, d.i. der san­fte Tod, des Jugendtums:

Die Euthanasie des Juden­thums ist die reine moralis­che Reli­gion mit Ver­las­sung aller alten Satzungslehren, deren einige doch im Chris­ten­thum (als mes­sian­is­chen Glauben) noch zurück behal­ten bleiben müssen: welcher Secte­nun­ter­schied endlich doch auch ver­schwinden muß und so das, was man als den Beschluß des großen Drama des Reli­gion­swech­sels auf Erden nennt, (die Wieder­bringung aller Dinge) wenig­stens im Geiste her­beiführt, da nur ein Hirt und eine Heerde Statt findet.

Voss-Göschel bringt Anti­simitismus in diesen Kon­text, nicht Kant. Es wird halt das gefun­den, was man finden will. Wenn diese Erörterun­gen stel­lvertre­tend sind für die Wis­senschaftlichkeit der Erörterung, dann bleibt da nicht viel. Aber hören wir dem Nach­wuchs weiter zu:

Über Kant gibt es so viele Abhand­lun­gen, doch bisher gab es keine klaren Antworten darauf, wie genau er Reli­gion definiert

sagt Voss-Göschel.

Das bezwei­fle ich, und vielle­icht hätte er da lieber Kant selbst gele­sen als Abhand­lun­gen, denn bei Kant findet sich z.B. diese Definition:

Reli­gion ist (sub­jec­tiv betra­chtet) das Erken­nt­niß aller unserer Pflichten als göt­tlicher Gebote *)[Fußnote aus­ge­lassen]. Diejenige, in welcher ich vorher wis­sen muß, daß etwas ein göt­tliches Gebot sei, um es als meine Pflicht anzuerken­nen, ist die geof­fen­barte (oder einer Offen­barung benöthigte) Reli­gion: dage­gen diejenige, in der ich zuvor wis­sen muß, daß etwas Pflicht sei, ehe ich es für ein göt­tliches Gebot anerken­nen kann, ist die natür­liche Religion.

Und weil Voss-Göschel wohl Kants Reli­gions­be­griff nicht geläu­fig ist, ver­steigt er sich laut israelogie.de zu dieser Äußerung

Für Kant ist das Juden­tum ein absur­des und sinnloses Geset­zeswerk ohne moralis­chen Bezug und daher eigentlich keine Religion

und fol­gen­der gän­zlich aus den Fin­gern gezo­ge­nen Behauptung

Er [Kant] habe sich nicht die Mühe gemacht, seine jüdis­chen Fre­unde zu fra­gen, worum es im Juden­tum geht, son­dern auf ekla­tan­ten Falschin­for­ma­tio­nen aufgebaut.

Eine Behaup­tung ohne Beleg, ein­fach mal so rausspekuliert. Die Aus­sage, Kant hat heim­lich bis ins hohe Alter am Dau­men genuck­elt, besitzt in etwa densel­ben Wahrheitswert. Ern­sthafte Wis­senschaft ist etwas ganz anderes.

Das Elternrecht

kannitverstan Markus Pieper, EU-Parlamentarier aus dem Mün­ster­land, hat sich als einer der weni­gen mal getraut, auf den Punkt zu brin­gen, wie die kon­ser­v­a­tive Posi­tion der CDU zum Eltern­recht aussieht:

Kinder haben gottgegebenes Recht auf Vater und Mut­ter. Nie­mand ein Recht auf Kinder.

Gut, wenn man Gott in Spiel bringt, hat man keine son­der­lich große Diskus­sions­ba­sis. Ver­suchen wir es mal mit einem etwas zugänglicheren Mann: Immanuel Kant.

Bei Kant ist eine Sorgepflicht der Eltern für ihre Kinder dadurch gegeben, dass sie es gewe­sen sind, die ihre Kinder ohne deren Ein­willi­gung in die Welt gesetzt haben. Damit haben Eltern ein ethis­ches, wie juridis­ches Recht zur Erziehung ihrer Kinder, wie die ethis­che Pflicht (aber nicht eine juridis­che) hierzu. Kinder sind bei Kant keine Rechtsper­so­nen, daher kommt bei ihm nicht vor, dass diese bes­timmte Rechte hät­ten. Wie sollte ein Kind auch das ange­bliche Recht auf einen Vater in Anspruch nehmen, wenn dieser gestor­ben oder unaufind­bar ist?

Sicher­lich hat Kant bei Eltern an Vater und Mut­ter gedacht. Aber die Begrün­dung der Rechte und Pflichten von Eltern liegt nicht in ihren biol­o­gis­chen Attributen:

da das Erzeugte eine Per­son ist, und es unmöglich ist, sich von der Erzeu­gung eines mit Frei­heit begabten Wesens durch eine physis­che Oper­a­tion einen Begriff zu machen*): so ist es eine in prak­tis­cher Hin­sicht ganz richtige und auch noth­wendige Idee, den Act der Zeu­gung als einen solchen anzuse­hen, wodurch wir eine Per­son ohne ihre Ein­willi­gung auf die Welt gesetzt und eigen­mächtig in sie herüber gebracht haben; für welche That auf den Eltern nun auch eine Verbindlichkeit haftet, sie, so viel in ihren Kräften ist, mit diesem ihrem Zus­tande zufrieden zu machen.

Wäre es dem­nach denkbar, dass der Beschluss, ein Kind in die Welt zu set­zen, von zwei gle­ichgeschlechtlichen Men­schen aus geht, so wie er von leib­lichem Vater und leib­licher Mut­ter ausgeht?

Ja. Das ist der­selbe Fall wie bei der kün­stlichen Befruch­tung. Auf die Idee, den geset­zlichen Eltern eines so gezeugten Kindes, ehe­liche Rechte zu entziehen, ist auch noch nie­mand gekommen.

Bei Kant ist das Eltern­recht ethisch begrün­det, nicht juridisch, nicht biol­o­gisch und nicht religiös. Juridis­che, biol­o­gis­che und religiöse Umstände mag es geben, sie rüt­teln aber nicht an der ehtis­chen Begrün­dung des Eltern­rechts, weil man es hier mit ver­ant­wortlichen Erwach­se­nen zu tun hat.

Kant wen­det sich implizit gegen Piepers Rede vom Gott gegebe­nen Eltern­recht, weil Kinder Wesen sind, denen es möglich sein wird, freie Entschei­dun­gen zu tre­f­fen, wobei es für den Men­schen unmöglich zu denken ist, dass die Möglichkeit zu freien Entschei­dung auf eine physis­che Ursache zurück­führbar wäre,

*) Selbst nicht, wie es möglich ist, daß Gott freie Wesen erschaffe; denn da wären, wie es scheint, alle kün­ftige Hand­lun­gen der­sel­ben, durch jenen ersten Act vorherbes­timmt, in der Kette der Naturnoth­wendigkeit enthal­ten, mithin nicht frei. Da sie aber (wir Men­schen) doch frei sind, beweiset der kat­e­gorische Imper­a­tiv in moralisch prak­tis­cher Absicht, wie durch einen Macht­spruch der Ver­nunft, ohne daß diese doch die Möglichkeit dieses Ver­hält­nisses einer Ursache zur Wirkung in the­o­retis­cher begrei­flich machen kann, weil beide übersinnlich sind.

Demokratiemißverständnisse

Sven Sor­gen­frey bemüht sich um eine sach­liche Auseinan­der­set­zung mit Patrick Dörings Ausspruch “Tyran­nei der Masse”. Aber wer in diesem Zuge Sätze schreibt wie

Die Net­zge­meinde hat ihn dafür mit einem Shit­storm bedacht

muss sich nicht wun­dern, wenn er selbst nicht ernst genom­men wird. Um Dörings Punkt stark zu machen, muss man sagen: Der Angriff­spunkt der Piraten­partei ist, dass Basis­demokratie vielle­icht fairer ist als Frak­tion­szwang, aber immer noch latent die Diskri­m­inierung der Mehrheit über die Min­der­heit innehat.

Aber auch ander­swo stößt der Demokratiebe­griff weit­er­hin an begrif­fliche Gren­zen, so schreibt Björn Boehning:

wenn wir nicht darauf zählen kön­nen, dass demokratis­che Entschei­dun­gen auch akzep­tiert wer­den, dann sind wir auch mit mehr Par­tizipa­tion­s­möglichkeiten keinen Zen­time­ter vorangekommen

Wie gesagt: Wenn demokratis­che Entschei­dung nur eine Mehrheit­sentschei­dung darstellt, kann das immer noch eine Diskri­m­inierung sein. Der mod­erne Begriff der Demokratie ver­weist auf einen Staat als Rechtsstaat, der nicht auf fun­da­men­tal­is­tis­che, son­dern begrün­dete Argu­men­ta­tio­nen zurück­greift. Ein solcher Demokrat gibt kein Ver­sprechen ab, Mehrheit­sentschei­dun­gen kri­tik­los zu akzep­tieren. Das ist auch gar nicht sys­tem­notwendig, wie Boehn­ing meint.

Demokratie

kannitverstan

Das ist auch merk­würdig: Ich war der fes­ten Überzeu­gung, mit Sicher­heit schon mal etwas über Demokratie geschrieben zu haben. Witzig ist aber irgend­wie, dass ich heute darüber schreibe und vor einem Jahr etwas über Spiegeldemokratie schrieb. Vielle­icht wird das nun so eine Art Demokrati­etag, aber das durchzuhal­ten ist auch schon wieder so ein Ding.

Dieser Tage wird dauernd von Demokratie gesprochen, mich wun­dert, dass oft­mals der Ein­druck entsteht, dass diejeni­gen, die darüber schreiben, doch gar wenig über diesen Begriff wissen.

Da hat z.b. Jakob Aug­stein einen Artikel über Griechen­land geschrieben, der inter­es­sant ist, weil er so bedeu­tungss­chwanger daherkommt und doch 24 Stun­den nach Veröf­fentlichung implodiert:

Papan­dreou hat Europa über­rascht und die Märkte erschüt­tert. Aber er hat Griechen­land seine Würde zurück­gegeben und Europa dem Moment der Wahrheit näher gebracht, der unweiger­lich eines Tages kom­men wird.

Tja, und nun ist das Ref­er­en­dum abge­blasen, in der Aug­stein­schen Betra­ch­tungsweise hat das griechis­che Volk seine Würde wieder ver­loren und kein Grieche beschw­ert sich darüber ern­sthaft. Und dieses Wahrheits­ge­brabbel ist nur defätis­tis­ches Blabla. Nie­mand ver­steht doch ger­ade ern­sthaft, wohin die Reise geht.

Hel­mut Schmidt hat gesagt, Demokratie sei zwar die Herrschaft der Mehrheit über die Min­der­heit, aber in Deutsch­land sei es so, dass die Mehrheit auch wüsste, worüber sie zu entschei­den hat und worüber nicht. So hat das in meiner Erin­nerung Denis Scheck wiedergegeben. Ich finde allerd­ings weder das Zitat bei Schmidt noch bei Scheck. Also, Entschuldigung, wenn die Wieder­gabe falsch ist. Das Zitat legt allerd­ings nahe, dass die Min­der­heit der Mehrheit dankbar sein darf, dass sie so gütig ist, nicht alles zu entschei­den. Damit bleibt unser Staat grund­sät­zlich ein Unrechtsstaat. Ist das so?

Thomas Stadler fragt

Wie schock­ierend kann es für eine Insti­tu­tion wie die EU und ihre Mit­glied­staaten – die sich Frei­heit und Demokratie auf ihre Fah­nen geschrieben haben – eigentlich sein, wenn sich das betrof­fene
Mit­glied­s­land dazu entschließt, eine essen­tielle Frage demokratisch zu klären?

Oh, sehr schock­ierend, wenn es sich um Unrecht han­delt, dass eine Mehrheit eine Min­der­heit diskri­m­iniert. Über­haupt hat nie­mand den Griechen ein Man­dat gegeben, unterm Strich über die Lage ganz Europas der­art zu votieren, meint Michael Spreng, der anson­sten die Demokratiede­batte ger­ade für naiv hält. Das ist sie auch, aber man sollte den­noch ein­mal darüber zu sprechen kommen.

Bei Frank Schirrma­cher liest man den gedanklichen Fehler, der die Demokratiede­batte ger­ade so erschw­ert: Es ist der heutige Demokratiebe­griff, der sowohl den klas­sis­chen Demokratiebe­griff als auch den Begriff des Rechtsstaates als Repub­lik verin­ner­licht. Was heisst das?

Der klas­sis­che Demokratiebe­griff ist der, auf den schon Hel­mut Schmidt oben anspielt: Es ist das Mehrheitswahlrecht, in dem eine Mehrheit sich für oder gegen etwas entschei­det. Dies ist aber mit­nichten eine Entschei­dung darüber, was recht­ens ist, was gerecht ist. Es ist nur die Entschei­dung, was die Mehrheit will. Daher ist Demokratie, wäre es Staats­form, nach Kant völ­liges Unrecht, weil in jeder Entschei­dung eine Min­der­heit diskri­m­iniert wird. Für Kant kommt nur die Repub­lik als Staats­form in Frage, weil sie den Rechtsstaat verkör­pert, in einer recht­mäßig aus­ge­führten Sys­tem­atik. Als Poli­tik­form kann man nun Demokratie noch ein­set­zen, aber nach Kant eben­sogut eine Monar­chie, es spricht zumin­d­est zunächst ein­mal wenig dagegen.

Der heutige Demokratiebe­griff bein­hal­tet nun eher diesen Repub­lik­be­griff Kants: Rechtsstaat plus Demokratie als Poli­tikver­fahren. Er bein­hal­tet aber nicht, wie Stadler denkt: Demokratie als Indika­tor recht­mäßi­gen Ver­fahrens, denn das kann ja immer noch unrecht sein. Bes­timmte Fra­gen kann man aber durch Wehrheitswahlrecht abstim­men lassen, dem Regen­ten ist es aber aufer­legt, bes­timmte Fra­gen nicht durch Mehrheitswahlrecht klären zu lassen: Z.B. kann er den Rechtsstaat an sich nicht einer demokratis­chen Wahl über­lassen. Es liegt nicht, wie Schmidt meint, in der Güte des Regen­ten, dies nicht zu tun, er hat das Recht nicht, dies zu tun.

Hat nun ein Poli­tiker wie Papan­dreou das Recht, die Entschei­dung über eine Wirtschaft­szuge­hörigkeit über das Mehrheitswahlrecht entschei­den zu lassen? Ja, das hat er. Rat­sam ist es wohl nicht. Ein­er­seits hat kein Volk der Welt in Sachen Finanzkrise ger­ade soviel Wis­sen, dass es für eine vernün­ftige Entschei­dung ger­ade aus­re­icht. Ander­er­seits entschei­det so, wie man Michael Spreng zugeste­hen muss, ein Volk auch über das Schick­sal anderer, wozu es kein Recht hat. Fraglich wäre, ob das poli­tis­che Ver­fahren wider­spruchs­frei ist, wenn zunächst kein Ref­er­en­dum über eine EU-Zugehörigkeit gemacht wird, im Zuge des Ver­fahrens dies aber erwogen wird.

Wenn Aug­stein, Schirrma­cher und Stadler Papan­dreous Ref­er­en­dum dem­nach als recht­ens und wün­schenswert weil demokratisch beze­ich­nen, beziehen sie sich lediglich auf den klas­sis­chen Demokratiebe­griff, nach dem in einem Staat das­jenige als Recht ange­se­hen wird, was durch Mehrheitswahlrecht entsteht. Und darin liegt eben der Fehler: Eine solche Entschei­dung kann Unrecht sein und hat mit dem, was recht­ens ist, d.i. was aus vernün­fti­gen Grün­den Recht sein müsste, entschei­dend nichts zu tun.

Auch schön

  • Michalis Pan­telouris kom­men­tiert seinen Text damit, dass er für direkte Demokratie ist, aber nur, wenn sie nicht diskri­m­iniert. Das aber kann mit der Demokratie als Staats­form ja ger­ade nicht aus­geschlossen werden.
  • Fefe fragt nach einem deutschen Volk­sentscheid bezüglich der EU-Rettungspakete. Kann man machen, muss man aber auch nicht. Und das ohne Begründung.
  • Für MSPRO ist die Entwick­lung in Griechen­land die Dekon­struk­tion der demokratis­chen Nation, wobei bei ihm Nation und Staat das­selbe ist. Das ist eben­solcher Wirrwarr wie “Papan­dreou kon­nte gar nicht anders”. 24 Stun­den später kann er das sehr wohl.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

Diskurs

kannitverstan

Ich habe mich vor 5 Jahren mal in einem Flyer über den Begriff Sachzwänge empört. Dann hat man lieber von alter­na­tiv­los gere­det, da anson­sten doch zu durch­sichtlich ist, dass man den Din­gen Zwänge unter­stellt, die von diesen ein­fach nicht aus­ge­hen. Alter­na­tiv­los ist dann let­ztes Jahr ver­brannt, hat ja auch lange gedauert.

Der Begriff der Net­zge­meinde oder ähn­liche Wortkon­strukte ver­brennt ger­ade etwas schneller. Nötig hätte das Ver­bren­nen in der öffentlichen Rede auch das Wort Diskurs.

Schon der Wikipedia-Eintrag des Begriffes wirkt so unbe­le­sen, dass man sagen muss: Heute wird das Wort oft­mals nur noch so ver­wen­det, dass das eigene Gefasel unab­hängig von seinem Gehalt gead­elt wer­den soll. Und insofern ist die Ver­wen­dung völ­lig über­flüs­sig und ver­schleiert eine Sacherörterung mehr, als dass seine Ver­wen­dung eine sach­liche Verbesserung darstellt.

Im Wis­senschaftlichen bere­ich mag das Wort noch seine Berech­ti­gung haben, aber auch dort ist oft­mals nur von der öffentlichen Mei­n­ung die Rede, wenn hochtra­bend von Diskurs gesprochen wird.

[ Foto: Rachel PaschWhat part of… | CC BY-NC 2.0 ]

Der Unterschied zwischen Comedians und Kabarettisten

Come­di­ans machen das wegen dem Geld,
Kabaret­tis­ten wegen des Geldes.

[via]

Wirtschaftswunder

Irgend­wie habe ich noch kein Aufre­gungsver­hält­nis zu dieser Plakat-Aktion am Wirtschaftsministerium:

Vielle­icht wun­dern die sich, dass einer wie der Brüderle Wirtschaftsmin­is­ter ist.

Oktober 2014
Mo Di Mi Do Fr Sa So
« Sep    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  
Vor 5 Jahren