Mahlzeit!
Guten Morgen

Morgenkaffee

Felix Dachsel erzählt, wie er in seiner Heimat­stadt im Erzge­bierge im Angesicht von Neon­azis aufgewach­sen ist, die meist in der Überzahl, durch­trainierter und geistig oft­mals neben der Spur waren. Was ihn derzeit aber wirk­lich ängstigt ist:

Mehr Angst als um mich habe ich, wenn ich sehe, wie sich Rechte und Men­schen aus der bürg­er­lichen Mitte ver­bün­den. Wenn ich davon lese, wie gegen Asyl­be­wer­ber demon­stri­ert wird. Da ist für mich nicht mehr der einzelne Nazi das Prob­lem, son­dern Teile der Gesellschaft. Dage­gen kann man sich mit Pfef­fer­spray nicht wehren.

Das ist wohl mit Blick auf Dres­den geschrieben wor­den, in Düs­sel­dorf ist Pegida ja eher ein klas­sis­cher Rohrkrepierer. Im Ver­hält­nis betra­chtet waren bei der Demo gegen das Rauchver­bot in Kneipen deut­lich mehr Teil­nehmer — und das waren vielle­icht Nulpen. Von den vie­len Demos, die unter dem öffentlichen Radar herziehen, mal ganz abgesehen.

Bei der Krim­i­nalakte bespricht man Liebe ist das per­fekte Ver­brechen, die Ver­fil­mung von Philippe Djians Die Rast­losen, schreibt lei­der nur nicht, wie man das alles fand.

Und während ich mir die Frage stelle: Wie lange dauert es wohl noch, dass man sich medial an Demos gewöhnt? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Lesezeichen vom 6. Januar 2015
Lesezeichen von heute
Tütengrünkohlpfanne

Als lei­den­schaftlicher Koch kenne ich natür­lich die guten Tüten­pro­dukte vom Dis­counter um die Ecke, denn man hat ja nicht immer Zeit, stun­den­lang in der Küche zu ste­hen, um in den leeren Kühlschrank zu gucken. Und so grin­ste mich eines Tages mal eine Tüte Grühnkohlp­fanne im Super­mark­tkühlre­gal an. Und wie wir alle wis­sen ist Grühnkohl die Leib-und-Magenspeise des West­falen. Also nix wie rin in den Einkauf­swa­gen für schlechte Zeiten.

Als West­falem ist Grünkohl ja fast schon iden­titätss­tif­tend, da weiß man genau, wie das schmecken soll und wann. Es ist ein Win­terg­ericht und muss herb schmecken, mit ordentlich Kartof­feln dabei, Rauch­fleisch und Senf, damit der Verkoster das gesamte Pro­dukt geschmack­lich in eine eigens passende Geschmack­srich­tung führen kann.

Dieses Tiefkühlgericht möchte es mir also abnehmen, die sim­plen Zutaten für’s klas­sis­che Grünkohlgericht, Kartof­feln und Fleisch, was sich in dieser Ver­sion als Met­twurst­stückchen dar­legt, extra zu besor­gen. Hinzu kom­men bei dieser Tüte Zitro­nen­säure, mod­i­fizierte Mais­stärke. Senf ist schon mit drin. Zwiebeln auch. Wozu das denn?

Irgend­wann kommt dann der Tag, an dem einem nicht ein­fällt, was man ger­ade kochen möchte, oder keine Zeit für’s Kochen findet, und man ist froh, dass man noch einen Vorschlag im Kühlschrank hat. Also raus mit der Tüte und los geht’s:

Den gesamten tiefge­frohre­nen Beutelin­halt mit 4–5 EL Wasser in einer Pfanne mit Deckel geben und auf hoher Stufe 3–4 Minuten erhitzen, danach durch­garen lassen, bis sich die Grühnkohlpucks kom­plett aufgelöst haben.

Die wer? Ah, okay:

gruenkohlpucks

Vielle­icht kann man damit kurzfristig Öko-Eishockey spie­len. Essen muss man das Ganze jeden­falls nicht unbe­d­ingt, wie der Geschmack­stest zeigt: Das gesamte Gericht ist darauf aus­gelegt, möglichst nicht herb zu schmecken. Dazu tra­gen Zucker und Zwiebeln mit bei. Kartof­feln und Met­twurst­stückchen sind so kleingeschnibbelt, dass sie ger­ade noch so wahrgenom­men wer­den kön­nen. Wozu das Ganze schon mit Senf abgeschmeckt wor­den ist, bleibt mir ein Rät­sel. Der oblig­a­torische Klacks Extrasenf har­moniert dann auch nur bed­ingt mit dem Gericht, da sich beim Grünkohl erst nach aus­giebigem Kaufen eine herbe Note zeigt.

Man bekommt mit diesem Gericht eine warme Mahlzeit vorge­setzt, wofür man sich aber wohl nur beim Herd bedanken sollte. Es ist nicht wirk­lich schlecht, aber auch nicht ein­prä­gend gut. Nach dem Verzehr ver­steht man zumin­d­est jene, die Grünkohlgerichten nichts abgewin­nen kön­nen. Wer geschmack­vollen Grünkohl aufgetis­cht sehen möchte, der muss anders an die Sache herangehen.

Guten Morgen

Morgenkaffee

Die Blödzeitung, die Ende ver­gan­genen Jahres noch beherzrt ins Horn der Abend­lan­dun­terge­herse­her geblasen hat, sam­melt heute Stim­men gegen Pegida. Wie schizo muss man eigentlich sein, um für dieses Drecks­blatt zu schreiben?

Wovor wohl auch Pegi­das­ten Angst hät­ten: In Frankre­ich zeigt man sich angeschla­gen, ob des neuen Romans von Michel Houelle­becq über einen mus­lim­is­chen Präsi­dent im Nach­bar­land. Eigentlich schon wieder Grund genug, ihn zu lesen.

Felix Schwen­zel ver­linkt Marc Wick­els Analyse der Krautre­porter und ver­misst selbst die Rosi­nen. Ich für meinen Teil sehe ein­fach kein For­mat, aus dem sich was Beson­deres entwick­eln würde. Der Ver­gle­ich mit dem nieder­ländis­chen Orig­i­nal hinkt immer mehr.

Und während ich mir die Frage stelle: Kön­nen die Deutschen noch Jour­nal­is­mus? hole ich mir erst­mal noch einen Kaffee.

Lesezeichen vom 5. Januar 2015
Lesezeichen vom 4. Januar 2015
Lesezeichen vom 3. Januar 2015
  • The End of Gangs: Clean­ing Up Los Ange­les, Cal­i­for­nia Wieso in LA die Gangs aussterben.
  • Sozi­ologe Ulrich Beck ist tot
  • Pom­mdön­er­faxen | Flusskiesel “Er hält eine Tüte “Pom­mdöner” in den Hän­den, aus der er method­isch langsam mit einer Plas­tikpommes­ga­bel nach und nach Frit­ten her­aus­piekst und zum Mund führt. Er kaut mit bedacht, als würde er jede Geschmack­snu­ance der Fetts­tifte her­auss­chmecken wollen. [..] Der Mann ist entspan­nte Konzen­tra­tion, ein Bud­dhist auf der höch­sten Stufe der Med­i­ta­tion. Vol­lkom­men im hier und jetzt und Dinge wie Hunger oder Ekel hat er längst hin­ter sich gelassen. Oder er hat gekifft.”
Lesezeichen vom 1. Januar 2015
  • Die “ver­schol­lene” Präsidenten-Biographie Eine fik­tive Biogra­phie von Hein­rich Lübke stört den einen oder anderen.
  • Udo Jür­gens’ Vet­ter im stern “Ich denke, Udo hat die Men­schen nicht geliebt”, sagt Bock­el­mann rück­blick­end. “Ich hatte immer den Ein­druck, dass ihn die Men­schen, die ihm zujubel­ten, nicht wirk­lich inter­essiert haben. […] Er war im klas­sis­chen Sinne vielle­icht sogar beziehung­sun­fähig. Er hat etwas anderes geliebt: seine Musik, seine Auftritte. Er war ein Kün­stler mit Leib und Seele.”
Die Top10-Tweets des Dezembers

Urban Priol — Tilt 2014

Let­zte kabaret­tis­tis­che Abrech­nung dieses Jahres:

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